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Oberwalliser Heimatschutz
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Schloss Leuk

Schloss Leuk

Laudatio anlässlich der Übergabe des Raiffeisenpreises des Oberwalliser Heimatschutzes in Leuk am 2. März 2001

 

Der Schweizer Heimatschutz und seine kantonalen Sektionen verstehen sich als Anwalt des gebauten Erbes aber auch als Anwalt der Landsschaft, denn sie ist ein ebenso wichtiger Bestandteil unseres Lebensraumes, unserer Heimat. Vor einigen Jahren hat der OHS beschlossen, Personen und Interessegemeinschaften, welche die gleichen Ziele verfolgen, mit dem Raiffeisenpreis des Oberwalliser Heimatschutzes zu ehren. Anlässlich der Jahrtausendwende wollte man ein Zeichen setzen und den Preis gleich zweimal vergeben. Ende September 2000 wurde bereits die Familie Wirthner ausgezeichnet, die seit mehreren Jahrzehnten . und über zwei Generationen hinweg grosse Anstrengungen unternahm, um den für das traditionelle Goms typischen Weiler Ammern zu sanieren, dort zu leben und zu arbeiten und die Siedlung so vor dem Zerfall zu bewahren. Der zweite Teil des Milleniumspreises dürfen wir heute an zwei Vereinigungen aus der Region Leuk übergeben und zwar an die

"Stiftung Schloss Leuk" welche sich für die Erhaltung und Sanierung von gebautem Erbe und die Förderung von Kultur einsetzt,

und an den "Verein Lebens- und Erlebnisraum Pfyn" der sich den Schutz einer einzigartigen Naturlandschaft zur Aufgabe gemacht.

Kultur und Natur gehören beide zu einem qualitätsvollen Lebensraum, in dem sich die Bevölkerung wohlfühlt und ihr Leben sinnvoll und abwechslungsreich gestalten kann. So haben denn auch beide Gremien ihre Aktivitäten mit andem verwandten Projekten der Region vernetzt und die verschiedensten Fachleute herbeigezogen, um ihre Pläne, welche Natur- und Kulturgüterschutz, so wie die Förderung des kulturellen Lebens beinhalten, mit gebündelten Kräften verwirklichen zu können. Zusätzlich wird die Bevölkerung ganz gezielt für Kultur- und Kunstgenuss und ein bewusstes Erleben der Heimat sensibilisiert.

 

Die Verantwortlichen können bereits Erfolge verbuchen. Es seien hier nur einige davon erwähnt:

  • Persönlichkeiten von nationaler Bedeutung haben sich für eine Mitarbeit an den Projekten beider Gremien verpflichten lasssen.
  • Ein Architekt von Weltruf nimmt sich der Sanierung des Bischofsschlosses in Leuk an.
  • Bereits haben diverse bekannte Künstler, so auch Richard Long, in Leuk ausgestellt.
  • Interpreten verschiedenster Musikgattungen, von der Klassik bis zum Jazz gaben hier Konzerte.
  • Zur Realisierung der Projekte konnten bereits ansehnliche finanzielle Mittel gesammelt werden.
  • Leuk erhielt im Jahr 2000 als Anerkennung für bereits Erreichtes mehrere Preise.
  • Das Gebiet Pfynwald-Illgraben wurde als einziges Forstgebiet der Schweiz ins "Bundesinventar Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung" aufgenommen.

 

Nun möchte ich auf die beiden Preisträger noch etwas näher eingehen:

 

Verein Lebens - und Erlebnisraum PfynlFinges

Bemerkenswert, ja einmalig ist, dass sich alle wichtigen öffentlichen Gremien der Umgebung an der Stiftung beteiligen: die Regionen Leuk und Siders, die Anliegergemeinden, die Burgergemeinden, die Tourismusorganisationen, sowie WWF und Pro Natura. In seiner Heimat, seinem Lebensraum sollte der Mensch, wie bereits angetönt, nicht nur arbeiten und wohnen dürfen, sondern auch geeigneten Raum für Freizeit und Erholung finden. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, aus der einzigartigen Landschft des Pfynwaldes durch Koordinierung der verschiedenen Projekte, ein Naturreservat mit nachhaltiger Nutzung zu schaffen. Dabei sollen die Bereiche Natur- und Landschaftsschutz, soziale Aspekte und wirtschaftliche Interessen in Gleichklang gebracht werden. Das bedeutet, dass auch ein sanfter Tourismus mit ungestörtem Erleben von Natur und Landschaft mit einbezogen werden kann. Übrigens: Sanfter Tourismus nimmt nicht nur Rücksicht auf die Natur, sondern respektiert auch den Lebensraum und die Eigenart, also die Heimat der ansässigen Bevölkerung.

 

Stiftung Schloss Leuk

Sie will die Restaurierung und effektivere Nutzung des Bischofsschlosses an die Hand nehmen. Wo gelebt wird findet Veränderung statt, und dort ist eine offene und andauernde Auseinandersetzung mit Neuem in Verbindung mit Traditionellem unumgänglich. Jede Generation hat ihren Lebensraum neu gestaltet und ihren spezifischen Bedürfnissen angepasst. Oft mussten dabei auch historische Gebäude mit einbezogen werden. Leider ging man nicht immer und überall mit dem nötigen Feingefühl und mit der erforderlichen Rücksicht auf die traditionelle Bausubstanz zu Werk. Die Stiftung Schloss Leuk jedoch ist sich ihrer grossen Verantwortung gegenüber dem historischen Gebäude bewusst. Es ist ihr gelungen, mehrere kompetente Persönlichkeiten für die Verwirklichung ihres Vorhabens zu gewinnen. So hat sich alt Nationalrat Ernst Mühlemann bereit erklärt, den Stiftungsrat zu präsidieren, und für die Restaurierung des Schlosses konnte der Stararchitekt Mario Botta gewonnen werden.

Wer Bauwerke aus der Vergangenheit für die Zukunft erhalten will, muss nach zukunftsweisenden Lösungen suchen: Schützenswerte Objekte müssen ins Alltagsleben einbezogen werden können, das ist sinnvoller als eine reine Konservierung. Dies aber darf einen behutsamen Umgang mit der alten Bausubstanz nicht ausschliessen. Mit Mario Botta konnte ein renommierter Schweizer Architekt gewonnen werden, der es meisterhaft versteht, Neues Altem gegenüberzustellen und den historischen Wert eines Gebäudes dadurch zu akzentuieren. Seine Äusserung, dass ein historisches Bauwerk einem Architekten immer Grenzen setze, ist als eine Herausforderung für die Restaurierung des Bischofsschlosses zu interpretieren: Wie können - und das ist die Absicht sowohl des Architekten als auch der Stiftung - die traditionellen Fassaden des Gebäudes erhalten, die Innenräume jedoch für eine zeitgemässe Nutzung als Kultur- und " Kongresszentrum umgestaltet werden. Mario Botta hat durch die Realisierung von ähnlichen Projekten im Inn- und Ausland bewiesen, dass er diese Gratwanderung einzigartig beherrscht. Gespannt dürfen wir auch auf die Zeichen seines Wirkens an der Aussenhülle des Schlosses sein, welche die zeitgemässe Nutzbarmachung des historischen Baues andeuten.

Beide Vereinigungen beabsichtigen also, Einheimischen und Gästen genussvolles Erleben von Natur, Kultur und historischem Erbe zu ermöglichen. Damit handeln sie ganz im Sinne eines zeitgemässen Heimatschutzes, welcher Heimat als Ort versteht, wo sich der Mensch wohl fühlt, und wo eine hohe Lebensqualität möglich ist.

Der Preis beinhaltet zwar einen relativ geringen materiellen Wert. Aber es geht hier doch vor allem auch um eine Würdigung der hohen Zielsetzungen und der grossen Leistungen beider Vereinigungen.

 

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