Blatten 2
Blatten 2
Walliser Bote, Montag, 13. Oktober 1997"Nicht nur Altes erhalten, sondern Neues schaffen"
"Raiffeisenpreis Heimatschutz Oberwallis" an die Gemeinde Blatten im Lötschental
B l a t t e n - Der mit 5000 Franken dotierte «Raiffeisenpreis Heimatschutz Oberwallis» wurde bei der ersten Verleihung der Berggemeinde Blatten im Lötschental Zugesprochen. Sie unterhält, wie der Präsident des Oberwallis Heimatschutzes (OHS), Reinhard Walter, ausführte, nicht nur Altes, sondern hat Neues, Wertvolles geschaffen. Die Preisübergabe fand anlässlich der ordentlichen Generalversammlung des OHS am Samstag in der Burgerstube in Blatten statt. Dort erhielten die Vertreter der Burger- und Munizipalgemeinde Gelegenheit, die Sanierung erhaltenswerter Bauobjekte wie das Stalldorf Kühmatt, die Renovation des Backofens, die Sanierung Mühle/Saga/Walke und den Burgerkeller im Weiler Ried auf ihrem Hoheitsgebiet vorzustellen.
«Für die Gemeinde Blatten ist dies eine sehr prestigeträchtige Auszeichnung und unterstreicht wohl auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind», hielt Gemeindepräsident Walter Henzen in seiner Ansprache vor den OHS-Mitgliedern und den geladenen Gästen fest. Nach Aussage des Blattners Gemeindepräsidenten sollen die bauerhaltenden Bestrebungen innerhalb des Lötschentales ein gewisses Gegengewicht zur Ausrichtung auf den Tourismus darstellen.
Raiffeisen als Sponsor
Dem Oberwalliser Heimatschutz ist es mit der Preisschaffung gelungen, eine seit Jahren gehegte Idee in die Tat umzusetzen. Die Oberwalliser Raiffeisenbanken erklärten sich bereit, in den nächsten fünf Jahren jeweils eine Preissumme von 5000 Franken auszusetzen. In seinem Votum unterstrich der Präsident der Raiffeisenbanken Oberwallis, Josef Fux aus St. Niklaus, dass sich sein Unternehmen neben dem anerkannten Sport-Sponsoring in den letzten Jahren vermehrt auch der Kulturförderung zugewandt habe. Die Bilanzsumme von 2,3 Milliarden Franken und das Bekenntnis der Oberwalliser Bevölkerung zur eigenen Genossenschaftsbank seien mit ein Grund, um finanzielle Gegenleistungen und Unterstützungen in verschiedensten Formen vorzunehmen. In einem gelungenen Werbespot für die Raiffeisenbanken listete der Preisgeber Geleistetes auf und anerkannte gleichzeitig die Notwendigkeit der Erhaltung von geschichtlicher Bausubstanz im Oberwallis.
Verdienter Preisträger
OHS-Präsident Reinhard Walter skizzierte die Verdienste der Gemeinde Blatten, die sich in den vergangenen Jahren mit beispielhafter Zielstrebigkeit für die fachgerechte Restaurierung traditioneller Bauten eingesetzt habe.
Um dem Zerfall alter Bausubstanz vorzubeugen und Wertvolles zu erhalten, haben sich die Burger- und Munizipalgemeinde Blatten auch mit anderen Kooperationen und Institutionen vereint. So konnte am
17. Mai dieses Jahres die «Stiftung Blatten/Lötschental» ins Leben gerufen werden. Sie wird vom Basler Arzt und langjährigen Gast im Lötschental, Dr. med. Dominik E. Müller, präsidiert. Ziel dieser Stiftung, die vom anwesenden Präsidenten im Detail vorgestellt wurde, ist die Erhaltung und Förderung der traditionellen Wohn- und Siedlungsstruktur im Lötschental unter möglichster Berücksichtigung des Lötschentaler Handwerks. Rund 100 Personen haben ein Startkapital von 50000 Franken eingelegt. Zu den prominentesten Stiftern nebst dem Kanton Basel Stadt gehört alt Bundesrat Otto Stich. Zu den Projekten der Stiftung zählt die Renovation der Käserei, der Wiederaufbau des «Äugustischhuis» sowie Beiträge an die Renovationsprojekte im Gemeindegebiet.
Die Projekte unter der Lupe
Unter der Regie von Präsident Walter Henzen, der festhielt, dass es noch grosser Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung bedürfe, um die gesteckten Ziele zu erreichen, wurden die einzelnen Projekte im Detail vorgestellt. Ethnologe Werner Bellwald hat sie in zwei ausführlichen Beiträgen im «Walliser Boten» bereits beschrieben und kommentiert. Burgerpräsident Pius Bellwald stellte das aus dem Jahre 1713 stammende Burgerhaus vor, Hans-Anton Ebener erklärte Geschichte und Konzept des 200 Jahre alten Backofens, Christian Rubin, Burgerverwalter am Ried, den Burgerkeller in seinem Weiler und Architekt Hans Schröter die Stallsiedlung Kühmatt und die Saga/Walche und Mühle.
Nach der Preisverleihung lud die Gemeinde unter den Klängen der «Fafleralp», die ein letztes Mal von Maurus Bellwald dirigiert wurde, zu einem Apéro auf dem Dorfplatz ein. Grossrat Hans-Anton Kalbermatten und Ortspfarrer Peter Jossen wandten sich dabei an die Gäste. Alles in allem eine würdige Feier, die dem Oberwalliser Heimatschutz gut anstand und auch in Zukunft Schule machen sollte. pr