Schweizer Heimatschutz - Sektion Oberwallis - Logo

Oberwalliser Heimatschutz
Postfach 548, 3900 Brig

Erlebnis Tipps

Aus dem Oberwallis

Wählen Sie oben in der Karte oder im Menü eine Ortschaft aus, die Sie entdecken möchten.

 

Ausschreibung

Ausschreibung

THEMA ORTSKERNE: DER RAIFFEISENPREIS WIRD AUSGESCHRIEBEN

In vielen Gemeinden sind die Ortskerne in den letzten Jahren zu einem eigentlichen Problem geworden: Immer mehr Leute wohnen am früheren Rand der Siedlungen in neuen Häusern. Die Neubaugürtel rings um die Dörfer und damit auch der Landverbrauch nehmen stark zu. Der Ortskern aber entleert sich immer mehr. Zahlreiche Gebäude stehen hier leer und einige zerfallen sogar. Gähnende Leere, wo früher Leben pulsierte. Doch es gibt Lösungen. Der Raiffeisenpreis 2007 des Oberwalliser Heimatschutzes möchte eine solche auszeichnen.

 

Nicht nur ein Walliser Problem
Während der Hochkonjunktur leitete der beschleunigte wirtschaftliche und soziale Wandel eine Siedlungsentwicklung ein, deren Folgen wir heute in verschiedenen Ländern Europas beobachten können: Mehr Geld, neue Baumaterialien, neue Ansprüche führten dazu, dass die alten Häuser umgebaut, oft aber verlassen wurden. Am Rande der Siedlungen waren freie Flächen, wo die Neubauten bald wie Pilze aus dem Boden schossen. Die Ortskerne begannen sich zu entvölkern. Hier standen immer mehr Gebäude leer, andere zerfielen sogar. Ruinen gehörten zu manchem Ortsbild.

Teils ist dies bis heute so geblieben, weil der fehlende Umschwung, die fehlenden Parkplätze, die fehlende Aussicht, die fehlende Grosszügigkeit der alten Innenräume niemanden zum Arbeiten oder Wohnen im Dorfkern zu begeistern vermögen. Seitdem die neuen Einkaufsriesen im Grünen das Shopping mit dem Auto zur Mode machten, trockneten auch die bisherigen Geschäfte aus – Folge: noch weniger Leben in den Ortskernen.

 

Erste Lösungen sind bereits realisiert
Hie und da wurde aber auch die Qualität der Ortskerne erkannt: Die einladende Atmosphäre der alten Räume, die Stimmung in den Siedlungszentren, die architektonische Vielfalt, die Einmaligkeit jedes einzelnen Gebäudes, weshalb man sich im Ortskern wohlfühlen und von einer gehobenen Lebensqualität profitieren kann. Solche Vorzüge bieten die überall gleichen und langweiligen Neubauquartiere (leider) selten.

Die erwähnten Nachteile der Dorfkerne lassen sich teils auch geschickt bewältigen. An einigen Orten wurde auf Initiative von Vereinen, Gemeindeverwaltungen und Privaten bereits Abhilfe geschaffen. Im Oberwallis beispielsweise führt Niedergesteln als Gemeinde vor, wie man einen ganzen Dorfkern sanieren, attraktiv gestalten und neu beleben kann: Eine Strasse führt von hinten her an den Dorfkern heran und bietet Parkflächen, im Dorf selbst wurden Wege und Strassen neu geteert und die Grenze zum Privateigentum mit Pflastersteinen markiert, öffentliche Gebäude wie das Backhaus oder das alte Spritzenhaus wurden zeitgemäss umgestaltet und dienen heute neuen Zwecken (Informations- und Anschlagetafeln, Treffpunkt für Senioren, Kinderhort), baufällige Gebäude wurden erworben und renoviert, öffentliche Plätze wurden einladend gestaltet. Es ist kein Zufall, dass die Gemeinde Niedergesteln für die jahrelangen, oft schwierigen, doch letztendlich erfolgreichen Bemühungen bereits 2001 vom Oberwalliser Heimatschutz mit dem Raiffeisenpreis ausgezeichnet wurde.

Ein anderes Beispiel ist Visperterminen. Hier waren der Verein ‚z Tärbinu’, der seit Jahren Veranstaltungen auf die Beine stellt, ein Ortsmuseum führt und Veröffentlichungen herausgibt, sowie die Gemeinde die stossenden Kräfte für eine Stiftung. Diese realisierte bereits die erste Etappe des Projektes ‚Chindrwält’: Im Dorfkern wurden zwei Gebäude aussen fachgerecht erhalten und innen fantasievoll eine Spiellandschaft eingebaut. Sie lädt Kinder zum Entdecken, Bewegen und Spielen ein und führen damit kleine und grosse Leute in den Dorfteil ‚Herrenviertel’, dessen traditionelle Wirtschaftsbauten zuvor leer standen. Weitere Innenausbauten sind geplant; sie bringen zugleich Leben in den alten Dorfteil.

Auch Private leisteten in den letzten Jahren Beiträge zu einer Aufwertung der Ortskerne, indem sie beispielsweise alte Wirtschaftsgebäude nicht einfach zerfallen liessen, sondern zu Wohnzwecken umbauten. Doch statt aus Stadeln, Speichern, Scheunen und Ställen pseudoromantische Lebküchenhäuslein zu machen, wie sie vielerorts unsere Dörfer verkitschen, beauftragten die Eigentümer findig Architekten. Diese wussten den Charakter der alten Gebäude zu wahren und verstanden es, gleichzeitig die Ansprüche und die Formen der modernen Zeit geschickt einzubringen. Geglückte Umbauten finden sich etwa in Obergesteln, in Ausserberg, in Raron, in Turtmann oder beispielsweise im Ortskern von Naters, wo 2005 der Raiffeisenpreis des Oberwalliser Heimatschutzes überreicht wurde.

 

Der Raiffeisenpreis
Jedes Jahr verleiht der Oberwalliser Heimatschutz einen Preis, den der Verband der Oberwalliser Raiffeisenkassen stiftet. Die Summe beträgt 5'000.- Franken und ausgezeichnet werden Initiativen oder Leistungen von Privaten, Vereinen, Institutionen oder Gemeinden. Der Oberwalliser Heimatschutz (OHS) unterstützt damit jene Projekte oder bereits fertige Arbeiten, die zur positiven Gestaltung unseres Lebensraums beitragen. Dies entspricht der Philosophie des heutigen Heimatschutzes, der nicht Verhinderer, sondern Förderer sein will: In den Siedlungen und Landschaften unserer Region sollen sich Einheimische und Gäste wohlfühlen; die Qualitäten dieser Orte gilt es zu fördern.

In diesem Sinne wird der Oberwalliser Heimatschutz auch im Herbst 2007 wieder den bekannten Raiffeisenpreis verleihen. Bewerber können ihre Unterlagen mit Kurzbeschrieb, Fotografien, Pläne und Budget bis zum 20.8. einsenden an: Oberwalliser Heimatschutz, Postfach 548, 3900 Brig. Teilnahmeberechtigt sind Privatpersonen, Burger- und Bürgergemeinden, Bauherren und Architekten, Vereine, Genossenschaften oder Stiftungen, die im Themenbereich Ortskerne im Oberwallis aktiv sind. In Frage kommen nicht nur bereits ausgeführte Arbeiten, sondern auch projektierte Vorhaben, die zur aktuellen Problematik der leeren Dorfkerne gangbare Lösungen aufzeigen und architektonisch qualitätvolle Akzente setzen.

 

<< zurück zu Preisträger