Entleerte Dorfkerne
Entleerte Dorfkerne
Entleerte Dorfkerne: abbrechen oder erhlaten?
Lösungsansätze
Referate 29.10.09 in Lalden
- WB-Vorschau
- Dorfkerne-Steter Tropfen, Niedergesteln
- Chinderwält, Visperterminen
- Präsentation: Altes Turtmann
- Intervention Präsident Schw. Heimatschutz
- WB-Bericht
Heimat (Auszug Leitbild SHS 26. Juni 1999)
Der SHS / OHS versteht Heimat als Vertrautheit mit einem bestimmten Ort oder Raum. Heimat entsteht dort wo gelebt wird. Wo gelebt wird finden Veränderungen statt. Eine offene und andauernde Auseinandersetzung mit Neuem und mit Veränderungen ist unerlässlich.
Entleerte Dorfkerne: Abbruch oder Sanierung ?
Vielerorts bilden die Dorfkerne mit ihren in traditioneller Bauweise erstellten Gebäuden heute mehr denn je die heimlichen Zentren der Dörfer und Städte. Auch wenn der Charme dieser Gassen und Plätze teils verstaubt oder verwildert, so bilden sie doch städtebauliche Strukturen, welche in den weiträumigen Einfamilienhausquartieren nicht entstehen können. Einst dicht bewohnte Quartiere, die heute als beengend empfunden werden, in denen der einstige ständige Sozialkontakt heute als Sozialkontrolle empfunden wird. Was tun ? Abbrechen ? Erhalten ?
Bald überall sind die Gebäude in den Stadt- und Dorfkernen in die Jahre gekommen. Ob Herrschaftshäuser oder Ökonomiegebäude, sie zu erhalten oder zu sanieren verlangt einen immensen Aufwand und bietet nach Abschluss der Sanierung trotzdem nicht den Komfort einer Neubauwohnung oder eines Einfamilienhauses. Da steht mancherorts die Frage in den Raum: Was tun mit diesen Zeugen vergangener Tage ? Abbrechen ? Erhalten ?
Identifikationsfaktor und Imageträger
Restaurieren heisst wiederherstellen, konservieren bedeutet haltbar machen, sanieren grundlegend erneuern. Schlagwörter die wir wohl in unserer Bautätigkeit verwenden, aber noch mehr sollen sie unser Tun und Wirken charakterisieren, durch unsere Mitarbeit in diesem Projekt die Denk- und Betrachtungsweise der Bewohner und Besucher bezüglich der gebauten Umgebung nachhaltig zu beeinflussen. Es wird Nährboden geschaffen für eine neue Wertschätzung unserer eigenen Heimat und gebauten Umgebung.
Traditionen und Bräuche werden vielerorts noch gelebt und gepflegt. Das kulturelle Erbe unserer Vorfahren und dessen Pflege umfasst jedoch mehr als nur Traditionen, Riten und Bräuche. Denn auch das gebaute Erbe ist wichtiger Bestandteil unserer Lebensräume, dient als Identifikationsfaktor und als Imageträger. Daher wird der bewusste Umgang mit dieser noch erhaltenen Bausubstand zur Herausforderung für Gemeinden und Bevölkerung.
Projekt: Ausgangslage und Ziel
Das Kernproblem ist allgegenwärtig, zeigt sich in immer grösseren Rissen an den alten, leerstehenden Gebäuden oder an der Vergandung der Landschaft und verlassener Quartiere.
Eine Fachgruppe aus Raumplanern, Architekten, Denkmalpflege und Heimatschutz, Ethnologen und evtl. Urbanisten befassen sich mit dem Kernthema:
Abbruch oder Sanierung ? Wie werden die brachliegenden Nutzflächen in den Dorfkernen in Zukunft genutzt ? Sind die Wohn- und Ökonomiegebäude sinnvoll umzunutzen oder wird ein Quartier niedergerissen und neu bebaut?
Die Fachgruppe diskutiert Themen betreffend der Kulturlandschaft, den denkmalpflegerischer Aspekten, dem sozialen Umfeld und der Ethnologie. Nach Möglichkeit führen Fachkräfte in die jeweilige Thematik ein (Ethnologe, Urbanist, Denkmalpflege, Orts- und Raumplanung, Entwicklung des Alpenraumes).
Ziel des Projektes ist es auch, Erfahrungen und Wissen aus Ideen und Visionen, aus Erfahrungen einzelner (Studienaufträge an Hochschulen und deren Ergebnisse, zb. Ried-Brig, Visperterminen) zu diskutieren und zu kommentieren, Ansätze evtl. weiterzuspinnen.
Die Quintessenz dieses Prozesses soll Anstoss sein, soll öffentliche Diskussionen bezüglich der Thematik auslösen und soll Grundlage für eine zukunftsorientierte Lösungsstrategie darstellen.
Das Präsentierte und Diskutierte, soll zugleich ein Leitfaden zur Realisation von Projekten in der gebauten Struktur sein; verdeutlicht die Machbarkeit, angefangen mit der Idee und Vision bis hin zum fertigen Projekt und Objekt.
Projekt: Arbeitsgruppe
Es zeigen sich mehrere Wege und Möglichkeiten, bewusst an der Zukunft des eigenen Dorf- oder Stadtbildes zu arbeiten und diese mitzugestalten. Möglichkeiten die durch Private, Vereine oder Stiftungen bezogen auf Einzelobjekte verschiedentlich aufgezeigt und realisiert wurden. Sei dies durch die Erhaltung eines historischen, vom Zerfall bedrohten Gebäudes oder mit der Realisierung eines Kulturpfades, der die Einwohner das eigene Dorf neu erleben lässt, den Besuchern eine unbekannte Welt erschliesst und somit auch die eigene Identität aufzeigt und diesbezüglich sensibilisiert.
Die Projektgruppe befasst sich spezifisch mit den möglichen Veränderungen und zukünftigen Szenarien in der gebauten Struktur und dem damit verbundenen Sozialgefüge.
Der Oberwalliser Heimatschutz versucht mit dem beschriebenen Projekt einen ’runden Tisch’ zu initiieren, welcher sich aktiv mit dem gebauten und gelebten Erbe befasst und dieses weiterleben will. Abbrechen? Erhalten!
Visp, 01. Oktober 2005 Troger Klaus, dipl. arch. htl / OHS